Stellvertretung in Aufstellungen – wenn die betroffene Person nicht anwesend sein kann

Braunes Mandala

Über Zurücknahme, Verantwortung und innere Ordnung

Aufstellungen folgen meist einem klaren Prinzip.
Auch bei der Stellvertretung in Aufstellungen steht die Verantwortung der betroffenen Person im Mittelpunkt.
Jemand stellt sein eigenes Thema auf und begegnet darin den eigenen inneren Anteilen.
Die Person ist anwesend – körperlich oder online – und trägt Verantwortung für das, was geschieht.

Manchmal ist das nicht möglich.

In diesem Fall lag die betroffene Frau schwer krank im Krankenhaus.
Sie war nicht in der Lage aufzustehen, nicht stabil genug für einen Online-Call, nicht verfügbar für eine eigene Aufstellung.

Und dennoch gab es ein inneres Anliegen.

Die Entscheidung für Stellvertretung in Aufstellungen

Die beiden Frauen – nennen wir sie Maria und Christine – kannten sich seit vielen Jahren.
Christine ist selbst erfahrene Aufstellerin.
Maria wusste um diese Erfahrung und um Christines Fähigkeit zur Zurücknahme.

Gemeinsam entschieden sie sich für eine Stellvertreter-Aufstellung.
Nicht aus Neugier, nicht als Experiment, sondern aus einer konkreten Notwendigkeit heraus.

Christine übernahm dabei nicht Marias Thema.
Sie wurde auch nicht zur Klientin.

Sie stellte für Maria auf.

Die innere Haltung der Stellvertretung

Christine trat der Aufstellungsgruppe nicht mit eigener Agenda gegenüber.
Sie machte sich innerlich weitgehend leer.

Sie klebte sich ein Post-it mit Marias Namen auf.
Sie sprach ausschließlich als Maria.
Alle Gespräche im Feld wurden konsequent in der Ich-Form von Maria geführt.

Christine blieb dabei auffallend zurückgenommen.
Kein Interpretieren.
Kein Einbringen eigener Sichtweisen.
Kein Ego.

Diese Zurückhaltung ist keine Selbstverständlichkeit.
Gerade in Aufstellungen zeigt sich mitunter, wie schnell eigene Themen, Deutungen oder Bedeutungszuschreibungen ins Feld drängen können.

Hier war das nicht der Fall.

Biografisches Wissen – ohne Einmischung

Christine kannte Maria seit vielen Jahren.
Sie wusste um biografische Stationen, um Zeiten von Belastung, um Wendepunkte.

Dieses Wissen wurde nicht aktiv eingebracht.
Es diente ausschließlich der inneren Orientierung – nicht der Steuerung.

Auch das ist eine feine Grenze:
zu wissen, ohne zu lenken.
zu kennen, ohne zu interpretieren.

Die Entlassung aus den Rollen

Ein entscheidender Punkt dieser Aufstellung war die Klarheit am Ende.

Die Entlassung aus den Rollen geschah für Maria.
Nicht für Christine.

Erst danach entließ sich Christine bewusst aus der Stellvertretung und wurde wieder sie selbst.

Diese Reihenfolge ist nicht nebensächlich.
Sie markiert, wo die Verantwortung lag – und wo sie endete.

Die Wirkung

Christine ging nach der Aufstellung zu Maria ins Krankenhaus.
Sie erzählte ihr ruhig und sachlich von dem, was sich gezeigt hatte.

Maria war tief berührt.
Die Aufstellung hatte wesentliche Erkenntnisse gebracht – auch ohne ihre körperliche Anwesenheit.

Nicht als Ersatz.
Nicht als Abkürzung.
Sondern als eine Möglichkeit unter besonderen Umständen.

Eine stille Ergänzung

Diese Form der Stellvertretung in Aufstellungen ist keine Blaupause.
Sie eignet sich nicht für jede Situation.
Und sie verlangt ein hohes Maß an innerer Disziplin, Klarheit und Zurücknahme.

Sie zeigt jedoch:
Auch das ist möglich.

Wenn die Rollen sauber gehalten werden.
Wenn Ego außen vor bleibt.
Und wenn Verantwortung dort bleibt, wo sie hingehört.

Weitere Informationen zu meiner Arbeit mit Aufstellungen und Resonanzarbeit findest Du hier:
https://www.andreasam.com/selbstbegegnung-im-resonanzfeld/

Andrea Sam
Kommunikationsberaterin & Coach
für Aufstellungen und Resonanzarbeit

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